Spielen ist menschlich – wer würde diesem Werbeslogan der Glücksspielanbieter nicht zustimmen? Ist doch das Spielen seit den Anfängen der Menschheit eine primäre Lebenskategorie. Es gehört zu den Grundelementen der individuellen und sozialen Reifung. Kinder lernen spielerisch, sich in unserer Welt zurecht zufinden. Im Spielen können sie Selbständigkeit, Kreativität, soziale Identität und Belastbarkeit entfalten und stärken. Es lässt sich als eine zweckfreie Tätigkeit charakterisieren, die um ihres eigenen Anregungspotenzials willen aufgesucht und ausgeführt wird (Heckhausen, 1974). Aber nicht nur in den ersten Lebensjahren, sondern in jeder Altersstufe sollte das Spielen als Lebensbereicherung einen entsprechenden Freiraum haben, da es u. a. Distanz zum Alltag ermöglicht, Zeit und Raum entgrenzt, das Gefühl anspricht und fördert, Spannung und Risiko vermittelt und Gemeinschaft bewirkt (Schilling, 1990).
Dieser Freiraum ist in der heutigen Zeit – mit zunehmender Freizeit – einmal mehr gegeben, von daher gewinnt auch das Spielen als Ausdruck von Lebensfreude an Bedeutung. Gelten die aufgezeigten Sachverhalte nicht ebenso für Glücksspiele? Im Gegensatz zu anderen Spielen im Kindes- und Erwachsenenalter entscheidet bei Glücksspielen allein oder ganz überwiegend der Zufall über Gewinn oder Verlust. Es bedarf außerdem eines äußeren Anreizes in Form eines ausgesetzten Gewinnes sowie eines Einsatzes, der mit Gewinnerwartung und Verlustrisiko verbunden ist. In der Regel wird mit und um Geld gespielt. !
Erst das Geld verleiht dem Glücksspiel seine eigentliche Bedeutung. Es sorgt für einen hohen Spielanreiz und ist für die ausgeprägte psychotrope Wirkung von Glücksspielen verantwortlich. Geld verkörpert das Maß aller Dinge in unserer Gesellschaft, ermöglicht die Befriedigung vielfältiger Bedürfnisse, lässt Wünsche in Erfüllung gehen und Träume wahr werden. Der finanzielle Gewinn lockt aber nicht nur die Spieler, sondern auch die Veranstalter. Während die Spieler mit ihrem Einsatz ein Risiko eingehen, winkt den Glücksspiel etreibern ein sicheres, äußerst einträgliches Geschäft.
Kaum ein Wirtschaftszweig ist so krisensicher und profitabel wie die öffentliche Veranstaltung von Glücksspielen. Diese lukrative Einnahmequelle hat sich weitestgehend der Staat gesichert, vordergründig zum Schutz der Bevölkerung. Neben der Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Spielablaufes sollen die Spieler vor einer Ausbeutung der Spielleidenschaft und dem Absturz in den finanziellen Ruin bewahrt werden. Es ist also durchaus bekannt, dass Glücksspiele mit einem Gefahrenpotenzial verbunden sind, dennoch tritt der Staat als Promoter auf: Fiskalische Interessen haben den in der Gesetzgebung verankerten Schutzgedanken verdrängt. Der restriktiven Zulassung von Glücksspielen bis Mitte der 70er-Jahre folgte eine Expansionswelle, die bis heute anhält, eine Trendwende ist nicht erkennbar. Sie beruht nicht auf einer gestiegenen Nachfrage in der Bevölkerung, sondern auf den finanziellen Bedürfnissen des Staates. Zusätzliche Wachstumsimpulse erfährt der Glückspielmarkt über eine Aufweichung des staatlichen Monopols, verbunden mit einem Wettbewerb zwischen privaten und staatlichen Anbietern (Hayer & Meyer, 2004).
Um die Nachfrage zu steigern, wird der Spielanreiz erhöht und Werbung für ein Produkt betrieben, das mit erheblichen individuellen und sozialen Folgeschäden verbunden ist. Für viele Menschen bieten Glücksspiele eine anregende Form der Unterhaltung, problemlos integriert in das Alltagsleben. Einige Spieler zeigen jedoch ein riskantes Konsumverhalten und verlieren die Kontrolle über das Spiel. Die Betroffenen und / oder ihre Angehörigen fühlen sich schließlich so stark belastet, dass sie Beratungs- und Behandlungseinrichtungen sowie Selbsthilfegruppen aufsuchen. Der Personenkreis ist im Zuge des expandierenden Angebotes angewachsen. In Erkenntnis dieses Sachverhaltes stellen einige Bundesländer seit kurzem einen geringen Anteil der Einnahmen aus Glücksspielen für Modellprojekte der ambulanten Behandlung, Aufklärungskampagnen und eine Telefonhotline zur Verfügung (Nordrhein- Westfalen), unterstützen eine Beratungsstelle direkt durch Zuweisungen der Spielbank (Baden- Württemberg) oder haben zumindest in das Spielbankgesetz aufgenommen, dass die Spielbankabgabe für »Hilfeeinrichtungen für Spielsüchtige« zu verwenden ist (Schleswig-Holstein). Auf Bundesebene formuliert der »Aktionsplan Drogen und Sucht« der Bundesregierung folgende handlungs leitende Ziele für den Glücksspielbereich: ▬ Stärkung des Problembewusstseins bei den Anbietern von Glücksspielen und in der Öf fentlichkeit, ▬ Intensivierung der Selbstverpflichtungen der Glücksspielindustrie sowie ▬ Bereitstellung von Glücksspielerlösen als Mittel für Präventions- und Hilfemaßnahmen.
Es handelt sich bei den Betroffenen nicht mehr nur – wie früher – um wenige Einzelfälle. Eine derartige Entwicklung zeigt sich ebenfalls auf internationaler Ebene. Sie hat zweifellos die politische, wissenschaftliche und therapeutische Auseinandersetzung mit der Spielsucht vorangetrieben und die Akzeptanz als psychische Störung gefordert. Die »Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft« hat das »Pathologische Spielverhalten« bereits 1980 in das »Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen« (DSM-III) aufgenommen (American Psychiatric Association, 1980). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt dieses Störungsbild erstmalig in der 10. Revision der »Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen« (ICD-10, Dilling et al., 1991).
Mit der Verabschiedung spezieller Empfehlungen zur ambulanten und stationären medizinischen Rehabilitation folgte im März 2001 die Anerkennung des Krankheitsbildes in seiner Eigenständigkeit durch die bundesdeutschen Kostenträger im Gesundheitswesen. Nach mehrheitlicher Meinung der Therapeuten und Wissenschaftler, die mit pathologischen Spielern arbeiten, handelt es sich um eine Suchterkrankung bzw. ein Suchtverhalten. Diese Betrachtungsweise schließt nicht aus, dass für kleinere Subgruppen andere Störungskonzepte – wie bei stoffgebundenen Suchtformen – den Ursachen e r gerecht werden. Mit unserem Buch möchten wir einerseits aufzeigen, dass und warum pathologisches Spielen als Suchtkrankheit zu werten ist, andererseits aber auch die dem Spieler und seinen Angehörigen zur Verfügung stehenden Möglich keiten der Hilfe benennen. Wir können dabei auf zahlreiche Untersuchungen und Erkenntnisse zurückgreifen – vor allem aus dem angelsächsischen Sprachraum. In den USA, Großbritannien und Australien wurden Forschungsund Behandlungsaktivitäten Mitte der 70er- bzw. 80er-Jahre intensiviert und Anfang der 90er-Jahre noch einmal deutlich gesteigert. Seit 1985 bzw. 2001 erscheinen die wissenschaftlichen Fachzeitschriften Journal of Gambling Behavior/Studies und International Gambling Studies, ausschließlich mit Beiträgen zur Problematik des Glücksspiels. Die Anzahl der Veröffentlichungen ist insgesamt stetig gestiegen (Wildman, 1997; Eber & Shaffer, 2000). Ohne Zweifel besteht hier ein Zusammenhang mit der zunehmenden Verbreitung, die das Glücksspiel in diesen Ländern erfahren hat.
Die Expansionswelle ist in den USA und Australien vorerst zumindest ansatzweise zum Stillstand gekommen, nachdem auf höchster politischer Ebene die National Gambling Impact Study Commission (1999) und die Productivity Commission (1999) ihre Empfehlungen zukünftiger Handlungsstrategien, die ein verantwortungsbewusstes Spielangebot (»responsible gaming«) favorisieren, unterbreitet hatten. In Großbritannien ist dagegen neben einem Ausbau des Spielerschutzes eine weitere Liberalisierung einschließlich der staatlichen Konzessionierung von Online-Kasinos zu erwarten (Department for Culture, Media and Sport, 2004).
Die Ergebnisse der Studien aus dem angelsächsischen Sprachraum sind zwar nicht ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragbar und erfordern – gegebenenfalls – die Berücksichtigung unterschiedlicher Glücksspielformen und sozialer Grundbedingungen, dennoch liefern sie wertvolle Hinweise für das Verständnis dieser psychischen Störung und den Umgang mit den Betroffenen. Vergleiche mit den Ergebnissen und Aussag deutschsprachiger Veröffentlichungen, deren Anzahl in den letzten Jahren ebenfalls stetig gestiegen ist, verdeut lichen außerdem ein sehr ähnliches Erscheinungsbild sowie Analogien in den Entstehungsbedingungen, Folgen und Behandlungsansätzen der Spielsucht bzw. des pathologischen Glücksspiels – ohne dass bestehende Unterschiede, wie sie beispielsweise auch zwischen deutschen Roulette- und Automatenspielern bestehen, ausgeschlossen werden sollen.
Juni 7th, 2010 Die Glücksspielsucht
Juni 7th, 2010 Check – Habe ich ein Spiel / Suchtproblem?
Check – Habe ich ein Spiel / Suchtproblem?
Um dein eigenes Spielverhalten zu erkennen, beantworte bitte die folgenden Fragen mit JA oder NEIN!
1. Hast du schon einmal solange gespielt, bis du kein Geld mehr hattest?
2. Hast du dir schon einmal Geld bei Freunden geliehen um Spielen zu können?
3. Hast du wegen deines Spielens schon einmal Kredite aufgenommen?
4. Überschreitest du häufig finanzielle / zeitliche Grenzen, die Du dir selbst gesetzt hast?
(Beispiel: Nur am Wochenende. / Nicht länger als 3 Stunden. / Nur bis zu einem bestimmten Betrag. / Nur wenn ich sonst nichts zu tun habe.)
5. Hast du schon einmal daran gedacht, dir auf illegalem Weg Geld zum Spielen zu beschaffen?
6. Kreisen deine Gedanken oft um das Spielen?
7. Hast du schon einmal Geld entwendet um Spielen zu können?
8. Kannst Du dich nur schlecht auf andere Dinge als das Spielen konzentrieren (z.B.: in der Schule / am Arbeitsplatz)?
9. Bist du unruhig und aggressiv, wenn du keine Möglichkeit zum Spielen hast?
10. Erscheint dir dein Alltag im Vergleich zum Spielen eher langweilig?
11. Merkst du, dass deine Interesse an der Umgebung (Familie, Hobbies, Freundeskreis) nachlässt?
12. Spielst du gezielt um Verluste wieder auszugleichen?
13. Dürfen deine Angehörigen oder Freunde nicht wissen, wie oft du Spielst oder wie hoch deine Spielverluste sind?
14. Hast du nach dem Spielen oft ein schlechtes Gewissen?
15. Hast du schon weiter gespielt, obwohl du spürtest, dass du dir selbst und andere schädigst?
16. Hast du schon gespielt um deine Stimmung positiv zu verändern, um Sorgen, Ärger und Frustration zu vergessen, um Konflikten auszuweichen?
17. Sind durch dein Spielverhalten schon einmal familiäre Probleme oder Streitigkeiten entstanden?
18. Hast du wegen des Spielens schon einmal deine Arbeit versäumt?
19. Hattest du wegen deines Spielverhaltens schon Selbstmordgedanken, oder unternahmst du bereits Selbstmordversuche?
Falls du mehr als drei (3) Fragen bei ehrlicher Selbstbefragung mit “Ja” beantwortet hast, ist es möglich dass dein Spielverhalen problematisch ist.
Wir empfehlen dir dann, dir einzugestehen, dass es sinnvoll ist zwecks einer genaueren Abklärung die bestehenden Hilfsangebote (Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen) unverbindlich in Anspruch zu nehmen.
Juni 7th, 2010 Selbsttest zur Co-Abhängigkeit
Um dein eigenes Verhalten zu erkennen, beantworte bitte die folgenden Fragen mit JA oder NEIN!
1. Fühlst du dich stark, wenn der Abhängige sich schwach fühlt?
2. Wirst du von der Verwandtschaft oder Nachbarschaft gelobt, weil du so tapfer bist?
3. Fühlst du dich zum Lügen und Decken von Unregelmäßigkeiten gezwungen, weil du deinen Partner nicht ausliefern willst?
4. Hängen deine Gefühle sehr stark von der Situation des Partners ab?
5. Kümmerst du dich um alles, weil der Partner es nicht mehr kann?
6. Hast du Angst, der Abhängige könnte aggressiv werden, wenn du mit ihm übers Spielen redest?
7. Vermeidest du es, mit anderen Leuten über das Spielproblem deines Partners zu reden?
8. Hast du deinem Partner schon einmal mit Trennung bzw. Scheidung gedroht, weil er so viel spielt?
9. Ärgerst du dich, weil dein Partner deine Ermahnungen nicht ernst nimmt?
10. Wünschst du dir manchmal den Tod des Partners?
11. Hast du häufiger das Gefühl, dass du gegen den spielabhängigen Partner machtlos bist?
12. Hast du schon häufiger Drohungen, die du den Betroffenen gegenüber ausgesprochen hast, nicht wahr gemacht?
13. Hast du das Gefühl, dass das Spielen eine immer wichtigere Rolle in deiner Partnerschaft spielt?
14. Übernimmst du zunehmend Aufgaben, die dein Partner eigentlich ausführen könnte?
15. Nehmen die Trennungsgedanken zu – bzw. nehmen sie feste Formen an?
16. Bist du in letzter Zeit häufiger deprimiert und verzweifelt, weil sich am Spielverhalten des Partners nichts ändert?
17. Bist du wegen psychosomatischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung?
18. Weiß du manchmal nicht, woher du das Geld für den Haushalt nehmen sollst?
19. Wechseln deine Gefühle für den Partner häufiger zwischen tiefen Hass und großer Liebe?
20. Hast du das Gefühl, dass dein Partner noch tiefer abrutscht, wenn du ihn verlässt?
21. Weißt du nicht mehr, wie es weiter gehen soll, weil du so verzweifelt bist?
Wenn du mehr als acht Fragen mit “JA” beantwortet hast, liegt eine Gefährdung vor, und du solltest Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle aufnehmen.
Juni 7th, 2010 Erscheinungsbild der Glücksspielsucht
In den Schilderungen beratungs- und behandlungssuchender Spieler wird immer wieder folgendes Erscheinungsbild der Spielsucht deutlich:
## Glücksspiel als zentraler Lebensinhalt
- Das Glücksspiel strukturiert und dominiert das Leben der Betroffenen.
- Mit zunehmender Häufigkeit und Intensität des Spielverhaltens entwickeln die Spieler eine ausgesprochene Kreativität in der Erschließung neuer Geldquellen.
- Ist Geld vorhanden, richten sie den Tagesoder Arbeitsablauf so ein, dass sie rechtzeitig am Ort des Geschehens sein können.
- Die Verhaltensmuster vor und in der Spielsituation nehmen die Form eines Rituals an, Abweichungen führen zu Irritationen bis hin zum Aberglauben.
- Jede Gelegenheit nehmen die Spieler wahr.
- Familie, Beruf, andere Interessen werden durch das Glücksspiel absorbiert, der Rückzug aus dem sozialen Umfeld erfolgt in kleinen Schritten.
- Es kommt zu Auseinandersetzungen wegen des Spielens. Die Spieler weichen der Kritik aus, Kommunikation empfinden sie als lästig, sie entziehen sich den Pro blemen, indem sie ihr Geld riskieren oder sich damit nach durchlebten Stresssituationen belohnen.
- Vor Alltagskonflikten laufen sie davon, unangenehme Gefühle werden durch das Spielen betäubt.
- Um die häufige Abwesenheit und finanzielle Engpässe zu erklären, bauen sie ein raffiniertes Lügengeflecht auf, schließlich lügen sie sogar grundlos.
- Sie spielen heimlich und prahlen – vor anderen Spielern – mit Gewinnen.
- Ihre Emotionen sind im Wesentlichen auf das Glücksspiel ausgerichtet, hier erhoffen sie sich lustbetonte Gefühle, von der Familie haben sie sich emo tional entfernt.
- Erfolge werden beim Glücksspiel gesucht, nicht mehr im Beruf, in der Ausbildung oder im Sportverein.
- Alles andere, was sonst das Leben bindet, tritt in den Hintergrund (Matussek, 1953), das Glücksspiel ist zum obersten Daseinswert geworden (Keller mann, 1987).
## Kontrollverlust
- Einmal mit dem Glücksspiel angefangen, verlieren die Betroffenen die Kon trolle über ihr Spielverhalten. Trotz des Vorsatzes, nur einen bestimmten Betrag zu verspielen, nach einem Gewinn oder einer vorher festge legten Spieldauer aufzuhören, spielen sie weiter, bis kein Geld mehr zur Verfügung steht.
- Sie können nicht mehr mäßig und vernunftgesteuert spielen, verspüren ein unwiderstehliches Verlangen weiterzuspielen
- Bewusst lassen sie einen Teil der verfügbaren Mittel zu Hause, deponieren Geld im Handschuhfach, bevor sie in die Spielhalle gehen, um einem Totalverlust vorzubeugen. Gewonnene Jetons werden sofort in Bargeld eingewechselt, der Ehefrau zur unwiderruflichen Verwahrung übergeben.
- Die Schutzmaßnahmen reichen jedoch in der Regel nicht aus. Nach einem Verlust holen sie sich das restliche Geld oder bedrängen massiv die Ehefrau, um weiterspielen zu können.
- Sie halten Verabredungen nicht ein, sagen berufliche Termine ab, wenn sie erst einmal vor dem Automaten oder am Roulettetisch sitzen.
- Ein Aspekt des subjektiv empfundenen Kontrollverlustes ist das typische Motiv pathologischer Spieler, entstandene Verluste umgehend wieder aus zugleichen. Sie jagen ihren Verlusten regelrecht hinterher (»chasing«). Durch Erhöhung der Einsätze wollen sie dieses Ziel möglichst rasch erreichen. Der Gedanke »das hol’ ich mir wieder« wird zur übermächtigen, treibenden Kraft. Während unter Roulettespielern die »Chase-Philosophie « auch in Bezug auf den Gesamtverlust vergangener Jahre weit verbreitet ist, bezieht sie sich bei Automatenspielern in der Regel auf unmittelbar vorangegangene Verlustsequenzen.
## Erfolglose Abstinenzversuche/-bestrebungen
- Vor allem nach verlustreichem Spiel oder auf Drängen der Angehörigen nehmen sich die Betroffenen wiederholt vor, das Spielen einzuschränken oder glücksspielabstinent zu leben
- Die Versuche, es ohne fremde Hilfe zu schaffen, scheitern nach einigen Tagen oder Wochen ebenso wie diejenigen mit Unterstützung von Angehörigen, mitunter auch von Selbsthilfegruppen, ambulanter oder stationärer Therapie.
- Es bedarf vielfach noch nicht einmal einer Belastungssituation für eine erneute Beteiligung, allein die Wiedererlangung finanzieller Mittel fördert das Verlangen nach dem Glücksspiel.
- Eine dauerhafte Enthaltsamkeit erscheint ihnen unerträglich, ein gänzlicher Verzicht unvorstellbar.
- Wenn Geld zur Verfügung steht, kommt es in der »Egal-Stimmung« zum Einsatz. Häufig ändert sich an der Grundeinstellung gegenüber dem Glücksspiel kaum etwas. Glaubenssätze wie »ich kann aufhören, wenn ich es wirklich will« stützen das glücksspielbezogene Selbstbild.
- Der Verweis auf erfolgreiche Abstinenzbestrebungen für einen begrenzten Zeitraum und glücksspielfreie Zeiten (durch Geldmangel), die Eigensperre für die lokale Spielbank und die Einrichtung familiärer Kontrollstrategien dienen der vorübergehenden Beruhigung – vor allem der Angehörigen.
- Tritt das Glücksspiel aufgrund neuer Lebenssituationen, die Sinnerfüllung vermitteln, für einige Zeit in den Hintergrund, wird zum Teil noch exzessiver ge spielt, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist oder sich Belastungssituationen er geben haben. Haftaufenthalte haben einen ähnlichen Effekt, obwohl die wenigsten pathologischen Spieler während der Haft abstinent leben, denn das Spiel um Geld, Tabak usw. gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in den Justizvollzugsanstalten. Auch nur periodisch auftretende Glücksspiel exzesse weisen bei süchtigen Spielern eine typische, fortschreitende Entwicklung auf.
## Toleranzentwicklung
- Im Verlauf der »Spielerkarriere« müssen die Betroffenen ihre Einsätze steigern oder höhere Risiken eingehen, um den gewünschten emotionalen Effekt zu erzielen. Es entwickelt sich eine Toleranz gegenüber der »Dosis « des Glücksspiels, die zur Vermittlung von Gefühlen wie Erregung notwendig ist. Am Anfang genügt ein Gewinn des Mindesteinsatzes beim Spiel auf »einfache Chancen« des Roulette, um ein Glücksgefühl auszulösen, am Ende muss an mehreren Tischen gleichzeitig auf »plein« gewonnen werden, um noch ein Gefühl der Zufriedenheit zu verspüren.
- Das Erleben während des Glücksspiels stumpft zunehmend ab. Automatenspieler riskieren schließlich an mehreren Geräten gleichzeitig ihr Geld, wählen nur noch die höchste Risikostufe oder steigen teilweise auf illegales Glücksspiel und Kasinospiele um (mitunter beschreiten Spieler auch den umgekehrten Weg, wenn beispielsweise eine Sperre oder Geldmangel den Zugang zum normalerweise bevorzugten »höherwertigen« Glücksspiel verhindern).
## Entzugserscheinungen
- Fehlen die finanziellen Mittel für das Glücksspiel, lassen andere Gründe wie berufliche Verpflichtungen oder Kontrolle seitens der Familie eine Beteiligung unmöglich erscheinen oder werden Abstinenzbestrebungen umgesetzt, treten psychische aber auch vegetativ- physische entzugsähnliche Erscheinungen auf. Am häufigsten berichten Spieler über innere Unruhe und Reizbarkeit, die sie in diesen Situationen erleben. Sie spüren ein »Kribbeln im Bauch«, gehen ruhelos auf und ab und können begonnene Handlungen nicht zu Ende führen. Sie reagieren schon bei Kleinigkeiten gereizt und fangen schließlich in der Familie einen Streit an, um endlich in die Spielhalle gehen zu können. Alles, was einer umgehenden Teilnahme im Wege steht, wie die Einlass kontrolle in der Spielbank, lässt die Ungeduld wachsen (ebenso wie Unter brechungen des Spielablaufes). Sobald die erste Münze eingeworfen oder der erste Jeton platziert ist, setzt ein beruhigendes Gefühl ein. Einige betroffene Spieler schilderndaneben in retrospektiven Studien onzentrations- und Schlafstörungen, Alpträume, Depressionen, Kopf- und Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schweißausbrüche etc. Aber auch positive Auffälligkeiten in den ersten Tagen der Abstinenz wie eine neue Weltanschauung und das Gefühl, von einer inneren Last befreit zu sein, bestätigen Mitglieder der »Anonymen Spieler«. Die entzugsähnlichen Symptome dürften eher auf der Gewöhnung an einen erhöhten Erregungszustand oder auf gescheitertenBemühungen basieren, vorhandene dysphorische Stimmungen mithilfe des Glücksspiels zu bewältigen, als auf physiologischen Konsumbedürfnissen, wie bei stoffgebundenen Suchtformen. (Wray & Dickerson, 1981; Meyer, 1989a, b; Rosenthal & Lesieur, 1992; Custer, 1982).
## Folgeschäden
- Ein unkontrolliertes Spielverhalten führt auf Dauer fast zwangsläufig zu nächst zu finanziellen, später auch zu psychosozialen Folgeschäden. Mit der Aufnahme von Krediten oder dem Verkauf persönlichen Eigentums beginnt ein Kreislauf, der in illegalen Handlungen enden kann, wenn die eigenen Ressourcen erschöpft sind.
- Vor allem junge Spieler verlassen sich in dieser Situation immer wieder darauf, dass die Familie schon für den Schaden aufkommen wird.
- Über kurz oder lang treten Störungen im zwischenmenschlichen Bereich auf, Schuldgefühle und Depressionen können die Folge sein und zum Weiter spielen motivieren.
Juni 7th, 2010 Die 12 Schritte (zur Genesung)
Die zwölf Schritte (zur Genesung)
1. Wir gaben zu, dass wir dem Spielen gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
2. Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
3. Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir ihn verstanden – anzuvertrauen.
4. Wir machten gründlich und furchtlos eine moralische und finanzielle Inventur in unserem Innern.
5. Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
6. Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
7. Demütig baten wir ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8. Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten, und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war – es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10. Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11. Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir ihn verstanden – zu vertiefen. Wir baten ihn, nur seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
12. Nachdem wir durch diese Schritte ein seelisches Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an süchtige Spieler weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
Juni 4th, 2010 Glücksspiel als zentraler Lebensinhalt
»(…) bis dahin habe ich ja noch immer gespielt, um Gewinne zu machen. Dann schrumpfte eben das ganze Geld auf dem Konto, da fing das an mit den ersten Krediten. Das war so, dass mir das eigentlich schon fast zu dem Zeitpunkt egal war, ob ich gewinne oder verliere. Ich hatte das gemerkt, wenn ich mit Leuten wegging, ins Kino nachmittags, oder wir machten sonst irgendwas, das war langweilig, das war total langweilig. Ich war überhaupt nicht, ja, wie soll ich sagen, so, das war nichts, das war nullo. Wenn ich aber in der Spielhalle saß, war’s doch etwas anderes. Erstmal rannte da die Zeit sowieso weg, man war irgendwie angespannt, es war Spannung da irgendwie, und so ging das dann immer weiter mit dem Spielen. Und dann, als ich die richtigen Kredite aufgenommen hatte, (…) da habe ich mich wirklich nur noch auf das Spielen konzentriert. Und da fing das an, dass ich den Leuten, mit denen ich zusammen war, irgend welche Arbeiten vorschwindelte. Das waren meistens solche Jobs im Außendienst oder s st was, wo ich nicht erreichbar bin. Also, dass dann nicht einer mal auf die Idee kommt und irgendwo anruft. (…) Es war so, dass ich morgens loszog und abends um 5 Uhr wieder reinkam, weil die Arbeit dann ja normalerweise zu Ende ist. Ich habe mich auch nicht mehr richtig ernährt, also meine Gesundheit habe ich ein bisschen vernachlässigt, das heißt, ich habe morgens nur viel Kaffee getrunken, um möglichst rege zu sein. Ich hab’ auch später Aufputschmittel genommen, (…) die habe ich oft genommen, mittags so, weil die Konzentration nachlässt vor diesen Automaten. Ich hatte ja mittlerweile auch an mehreren Automaten gespielt, meistens hingen immer so 3 nebeneinander. Ich habe in einer Reihe angefangen, und wenn das irgendwo lief in der Reihe, dann habe ich die nächste angefangen, auch wenn das ein’ Raum weiter war. (…) Ich habe viel Kaffee getrunken, nichts gegessen, manch-mal 2, 3 Tage nichts gegessen und abends Beruhigungsmittel genommen. Die habe ich nachher sowieso immer ge braucht, um weiterzuspielen, dam ich ruhiger wurde, damit ich nicht so aufgekratzt war, Kreislaufstörungen kamen dann. Ja, also irgendwie alles, was nach der Spielhalle oder nach dem Spielen war, das war für mich kein richtiges Leben mehr. Ich habe mich zwar bemüht, immer noch ein gutes Gesicht zu machen, so zu Hause. (…) Ich habe mich immer ziemlich ausgeschlossen, von allen möglichen Sachen.«
Juni 4th, 2010 Kontrollverlust
Herr M., 32 Jahre
»Ich hab’ mir auch immer’n Zeitlimit gesetzt, nur ’ne Stunde oder nur 100 Mark. Aber ich hab’s nie geschafft. 600 Mark, oder was ich gerade in der Tasche hatte (…) wurde verspielt. Wenn ich gesagt hab’, nur ’ne Stunde, naja, dann hab’ ich noch ’ne halbe Stunde drangehängt und noch ’ne halbe Stunde und (…)«. Herr S., 26 Jahre: »Also das waren immer so meine Geschichten, die ich mir selber erzählt hab’, also wenn ich mit 100 Mark reingeh’, 20 Mark verspielste, dann ist Schluss, mit dem Rest gehste raus. Klar, danach waren‘s dann 30. Und ich hab’ das immer verspielt. Am Anfang hab’ ich’s mir immer noch eingeredet, nachher war’s klar, da hab’ ich gewusst, gehste rein, dann kommste raus, wenn der Laden dicht macht, oder wenn du pleite bist.«
Herr S., 23 Jahre
»Das hab’ ich mir fast jeden Tag vorgenommen, wenn ich 7-, 800 Mark hatte, oder auch nur 400, 200 Mark verspielste und von 100 Mark kaufste dir Platten oder brauchst’ mal ’ne neue Hose oder was weiß ich. Dazu ist es nie gekommen. Wenn die 200 Mark weg waren, und ich hatte noch 200 Mark in der Tasche, ach ’n 50er kannste noch, dann 100, dann noch mal 50 und dann, ob du den 50er noch hast oder peng, das ist auch scheißegal. Dann kannste den auch noch verspielen. (…) Im August war das, ja. Wir kriegten immer Geld in Tüten. Und das war jetzt der erste Monat, wo ich meine Miete selber zahlen sollte, der erste Gesellenlohn. Und in Schöneberg ist auch so’ne blöde Spielhalle, so ‘ne ganz kleine. Da bin ich rein und wollte eigentlich nur 10 Mark verspielen, weil ich es mir im Grunde überhaupt nicht leisten konnte. Es wurden 200, 300, 400 und da wurde mir schon ‘n bisschen kribbelig. Ich hatte nur eins drei [1300 DM] und jetzt waren es noch 800 Mark. Kam ich schon ins Überlegen, hab’ aber noch weiter spielt und hatte plötzlich nur noch 300 Mark. Ich bin dann nach Kiel reingefahren, sofort, und hab’ in Kiel noch 200 Mark verspielt. Dann hab’ ich noch 100 Mark im Roulette [24er] verspielt, das sah ich als letzte Möglichkeit, das war der Rest an dem Tag. Ja, und abends bin ich nach Hause getrampt. Erst mal ’n Anschiss von der Lütten gekriegt. (…) Geld für Miete und Essen, ja is’ weg, alles weg, alles verdaddelt. Ja, muss ich wohl morgen losziehen und [Zigaretten-]Stangen klauen. Ja, und am nächsten Tag bin ich losgezogen, nach der Arbeit, und bin natürlich prompt erwischt worden.«
Herr B., 34 Jahre
»(…) Wie so’n Blackout war das wieder. Das, was man eigentlich vor hatte und machen wollte und wann man aufhören wollte, das ging nicht. Da fehlten einem nur noch 100 Mark an dem, was man haben wollte, und anstatt 2000 Mark Gewinn mitzunehmen, nur 1900 Mark mitzunehmen den Abend, das müsste ja auch reichen. Aber nee (…), den 100er holste dir auch noch! Nee, weitergespielt bis alles weg war…«
Herr E., 30 Jahre
»Irgendwann kam mal der entscheidende Einbruch. Da hatte ich mal 2000 Mark in der Tasche, die wollte ich zurückzahlen an die KKB, und das war Geld, was ich in der Halle verdient hatte. Ich geh’ da [ins Spielcasino] auch rein und denk’, nehm’ mal ’n bisschen Geld mit, und die 2000 Mark hab’ ich komplett verloren. Irgendwo, als ich dann hinten war, hab’ ich versucht, weiter zu setzen, um mit mehr Satz meinen Verlust wieder reinzuholen. Und je länger das dauerte, desto nervöser wurde ich. Und dann hab’ ich noch ’n 100er aus der Tasche geholt, bin nochmal raus, zum Geldautomaten, hab’ mir nochmal 1000 Mark geholt, die hab’ ich auch noch verdonnert. Von da an wurde es echt extrem. Ich bin echt hinter dem Geld hergejagt, hab’ mehr und mehr gesetzt, bis ich dann irgendwo überhaupt nicht mehr ein und aus wusste. (…) Innerhalb von ein paar Tagen war ich auf 15000 Mark Miese bei der KKB. Zum Schluss war ich bald tagtäglich da drin. (…) Ich hab’ eigentlich nur noch dran gedacht, wie ich jetzt wieder an Geld kommen kann, ass ich meine Schulden wieder in den Griff kriege.«
Juni 4th, 2010 Entzugserscheinungen
Herr S., 23 Jahre
»Wenn ich da gesessen hab’ und Fernsehen geguckt hab’ oder Musik gehört hab’, irgendwie bin ich unruhig gewesen. Ich konnte nicht lange auf dem Stuhl sitzen, still sitzen, bin aufgestanden, in der Wohnung rumgelaufen, hab’ sauber gemacht, irgendwie versucht, mich abzulenken. Wenn das nicht geholfen hat, bin ich raus, mit ’nem Walkman auf’m Kopf und bin an den Strand gegangen. Das hat aber alles nichts genützt. Ich fühlte mich unruhig. Also irgendwie, als wenn ich nicht wusste wohin. Ich war einfach nicht zufrieden gewesen mit dem, was im Moment geschehen ist. Lang weile, na, was machste nun, was machste nun. Ja, eigentlich- könnteste ja mal nach Kiel fahren. Also das ist eine innere Unruhe in dem Moment. ’Ne Unzufriedenheit. Wenn sie [Freundin] dann da war, bin ich gereizt gewesen und bin immer gleich auf jedes Wort angesprungen, hab’ sie angeschrien, all sowas. Das ist manchmal so ausgeartet, dass ich sie aus der Wohnung geworfen hab’ und all so ’ne Scherze. Ich bin in dem Moment unberechenbar. Ich kann Mens en dann so verletzen, auch wenn ich das gar nicht will. Das tut mir 5 Minuten später wieder leid. Aber in dem Moment, da dreh’ ich durch. Ich kann da keinen klaren Gedanken mehr fassen.« [Nachdem er dann gespielt hatte:] »Dann bin ich losgezogen und hab’ versucht, noch schnell [Zigaretten-]Stangen zu klauen und dann spielen. (…) Wenn ich gespielt hab’, war das alles wieder weg. Dann fühlte ich mich eigentlich mit mir und meiner Umwelt wieder zufrieden. Auch wenn ich abends nach Hause kam, habe ich mich entschuldigt bei meiner Lütten.«
Juni 4th, 2010 Das Erleben des Automatenspiels
Herr M., 28 Jahre
»Aufregend wie ’ne Achterbahnfahrt. (…) Spannend ist es, aufregend ist es, nervenaufreibend. Ja, wenn man mit ’ner Achterbahn fährt, dieses Looping zum Beispiel, wenn man das überstanden hat, so’n Gefühl ist das. Ich hab’s geschafft, ’n Erfolgsgefühl.«
Herr L., 20 Jahre
»(…) Also bei den Automaten hat es ja sehr viel mit Geschicklichkeit zu tun, fand ich immer. Also das war so’ne Herausforderung, die Geschicklichkeit eben, dieses Scheißding zu bezwingen, dass man von 40 Pfennig an, die der Automat dann eben einspielt, dass man trotzdem 100 Spiele kriegen kann. (…) Das Wichtigste war eigentlich das Hochdrücken nachher. (…) Das war spannend, das war aufregend, da ist man wirklich aufgeregt manchmal, vor allem, wenn man auf der 50 stand oder so, und man wusste, jetzt wechselt der Takt, jetzt musst du den Takt mitkriegen, und dann gezögert hat. Viermal ging’s weg, einmal hat man’s geschafft, (…) ’n Triumph war das natürlich! Peng, klack, die anderen drehen sich um, oh, guck’ mal, er hat schon wieder hochgedrückt, oder so. Da stand man dann irgendwie so da, das war super. Selbst wenn Geld rauskam, auf den Automaten habe ich gar nicht mehr geachtet, weil ich mich dann wieder mit anderen [Automaten] beschäftigt habe. Also da war es wirklich Geschicklichkeit und eben, weil andere zu ckten; das waren Bananen, die immer nur auf 2 oder 5 Spiele drückten.«
Herr M., 24 Jahre
»Auf der anderen Seite die gewisse Ruhe, die ich da hatte, dieses Abschalten. Von zu Haus’ hab’ ich ja immer gehört: Nun beweis mal, dass du was kannst. So, und da an den Apparaten, ja, wenn ich nach oben gedrückt hab’, hab’ ich ja bewiesen, dass ich was kann. Obwohl ich ja auch vorher ‘n Haufen Niederlagen eingesteckt hab’, vielleicht 10- oder 15-mal weggedrückt hab’. Insgesamt, wenn ’ne kleine Serie mit allem Drum und Dran kam, hab’ ich mir dann doch eben selber bewiesen, so, du kannst ja doch was, du bist doch kein Versager, so wie von den anderen behauptet wird. Das ist so eigentlich eben der Hauptgrund, dass ich mir selber was beweisen wollte.«
Herr W., 22 Jahre
»Das Spielen bringt mich von allen Gedanken ab. Wenn ich in ’ner Spielhalle sitz’, denk’ ich an gar nichts. Dann denk’ ich nur ans Spielen, und alles andere ist in weiter Ferne, jedes Problem, jede Sorge ist weg. (…) Man fühlt sich geborgen, (…) also in der Spielhalle. (…) Die Angst vorm Gefängnis und die Angst vorm Erwischtwerden und die Angst vor der Polizei und so, die ist in der Spielhalle nicht. Da sind alleine die Kästen, da ist die Aufsicht, und also diese ganzen Probleme, die von außen kommen, sobald die Tür zu ist, sind die Probleme weg. Und wenn du da 2, 3 Stunden in der Daddelkoje sitzt, du vergisst ja auch alles um dich herum. Da kann draußen die Sonne scheinen, es kann regnen, das interessiert ja nicht. Du bist ja nur am Spielen, draußen kann sonstwas passieren.«
Herr S., 34 Jahre
»Also, ich leb’ dann in einer ganz anderen Welt in dem Moment. Ich selber bin ich in dem Moment, glaub’ ich, gar nicht mehr. Also, dann kann ruhig einer mit mir sprechen, das ist wie Durchzug. Dann kann auch einer zu mir sagen, du hast ’ne Frau und hast Kinder oder so. Das ist schlimm, es wird gezockt, bis nichts mehr da ist.«
Juni 4th, 2010 Erleben während des Roulettespiels und vor dem Besuch der Spielbank
Herr L., 53 Jahre
»(…) wie in einen Rauschzustand. (…) Also, manchmal hab’ ich das Gefühl gehabt, man setzt nicht mehr bewusst, bei klarem Bewusstsein. (…) Da hat man schon richtig feuchte Hände, das tropft schon bald von der Hand runter, und da kriegt man schon ganz schönes Herzklopfen und Angst dabei.« [Nach einem Gewinn:] »(…) als ob ’ne Zentnerlast von einem runterfällt, richtig strahlend, da hätte man ein Liedchen pfeifen können und freut sich dann. Man fühlt sich wie ein großer Champ. (…) Ja, wenn ich gewonnen habe, denke ich, dass ich gut gespielt hab’, dass ich das, was ich mir vorgenommen habe, eigentlich auch bewusst, ganz konkret eingehalten hab’. Es ist’n Glücksspiel, das weiß ich ja nun auch. Aber es war, als wenn ich das gesteuert oder beeinflusst hatte.«
Herr B., 36 Jahre
»Totale Konzentration auf das Spiel. Ich geh’ nur von Tisch zu Tisch, wo ich gesetzt habe. Das einzige, was ich wahrnehme, sind die Ansagen der Croupiers oder ist die Zahl, die gefallen ist, oder der Einsatz beziehungsweise die Plazierung. (…) Ich weiß gar nicht, ob ich wahrnehmen würde, namentlich, wenn jetzt jemand Thomas rufen würde. Ich weiß gar nicht, ob ich das wahrnehmen würde. (…) In schwierigen Situationen hat man ja auch so’n Gefühl, als wenn einem so Steine auf der Brust liegen, so’ne Anspannung ist das, so total nervlich fixiert ist man.«
Herr P., 42 Jahre
»Hat man gar nicht gewartet bis es 2, 3 [Uhr] is’, sondern runter. (…) Wenn ich mit der Frau ausgemacht hab’, dass wir uns am Mittag sehen oder treffen, bin ich trotzdem weg und runter. Hab’ vielleicht Angst gehabt, dass die Frau mich zurückhalten könnte. (…) Ja, da bin ich rumgelaufen, zuerst zur Spielbank hin, geguckt, ob die noch da is’ [lacht]. (…) Man möcht’ die Zeit am liebsten zusammenschieben, dass man gleich reinkommt. Das Warten ist irgendwie ’ne Zeitverschwendung. (…) Man möcht’ halt nur rein.«
