Juni 4th, 2010 Glücksspiel als zentraler Lebensinhalt
»(…) bis dahin habe ich ja noch immer gespielt, um Gewinne zu machen. Dann schrumpfte eben das ganze Geld auf dem Konto, da fing das an mit den ersten Krediten. Das war so, dass mir das eigentlich schon fast zu dem Zeitpunkt egal war, ob ich gewinne oder verliere. Ich hatte das gemerkt, wenn ich mit Leuten wegging, ins Kino nachmittags, oder wir machten sonst irgendwas, das war langweilig, das war total langweilig. Ich war überhaupt nicht, ja, wie soll ich sagen, so, das war nichts, das war nullo. Wenn ich aber in der Spielhalle saß, war’s doch etwas anderes. Erstmal rannte da die Zeit sowieso weg, man war irgendwie angespannt, es war Spannung da irgendwie, und so ging das dann immer weiter mit dem Spielen. Und dann, als ich die richtigen Kredite aufgenommen hatte, (…) da habe ich mich wirklich nur noch auf das Spielen konzentriert. Und da fing das an, dass ich den Leuten, mit denen ich zusammen war, irgend welche Arbeiten vorschwindelte. Das waren meistens solche Jobs im Außendienst oder s st was, wo ich nicht erreichbar bin. Also, dass dann nicht einer mal auf die Idee kommt und irgendwo anruft. (…) Es war so, dass ich morgens loszog und abends um 5 Uhr wieder reinkam, weil die Arbeit dann ja normalerweise zu Ende ist. Ich habe mich auch nicht mehr richtig ernährt, also meine Gesundheit habe ich ein bisschen vernachlässigt, das heißt, ich habe morgens nur viel Kaffee getrunken, um möglichst rege zu sein. Ich hab’ auch später Aufputschmittel genommen, (…) die habe ich oft genommen, mittags so, weil die Konzentration nachlässt vor diesen Automaten. Ich hatte ja mittlerweile auch an mehreren Automaten gespielt, meistens hingen immer so 3 nebeneinander. Ich habe in einer Reihe angefangen, und wenn das irgendwo lief in der Reihe, dann habe ich die nächste angefangen, auch wenn das ein’ Raum weiter war. (…) Ich habe viel Kaffee getrunken, nichts gegessen, manch-mal 2, 3 Tage nichts gegessen und abends Beruhigungsmittel genommen. Die habe ich nachher sowieso immer ge braucht, um weiterzuspielen, dam ich ruhiger wurde, damit ich nicht so aufgekratzt war, Kreislaufstörungen kamen dann. Ja, also irgendwie alles, was nach der Spielhalle oder nach dem Spielen war, das war für mich kein richtiges Leben mehr. Ich habe mich zwar bemüht, immer noch ein gutes Gesicht zu machen, so zu Hause. (…) Ich habe mich immer ziemlich ausgeschlossen, von allen möglichen Sachen.«
