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 Kontrollverlust


Herr M., 32 Jahre

»Ich hab’ mir auch immer’n Zeitlimit gesetzt, nur ’ne Stunde oder nur 100 Mark. Aber ich hab’s nie geschafft. 600 Mark, oder was ich gerade in der Tasche hatte (…) wurde verspielt. Wenn ich gesagt hab’, nur ’ne Stunde, naja, dann hab’ ich noch ’ne halbe Stunde drangehängt und noch ’ne halbe Stunde und (…)«. Herr S., 26 Jahre: »Also das waren immer so meine Geschichten, die ich mir selber erzählt hab’, also wenn ich mit 100 Mark reingeh’, 20 Mark verspielste, dann ist Schluss, mit dem Rest gehste raus. Klar, danach waren‘s dann 30. Und ich hab’ das immer verspielt. Am Anfang hab’ ich’s mir immer noch eingeredet, nachher war’s klar, da hab’ ich gewusst, gehste rein, dann kommste raus, wenn der Laden dicht macht, oder wenn du pleite bist.«
 
 
Herr S., 23 Jahre

»Das hab’ ich mir fast jeden Tag vorgenommen, wenn ich 7-, 800 Mark hatte, oder auch nur 400, 200 Mark verspielste und von 100 Mark kaufste dir Platten oder brauchst’ mal ’ne neue Hose oder was weiß ich. Dazu ist es nie gekommen. Wenn die 200 Mark weg waren, und ich hatte noch 200 Mark in der Tasche, ach ’n 50er kannste noch, dann 100, dann noch mal 50 und dann, ob du den 50er noch hast oder peng, das ist auch scheißegal. Dann kannste den auch noch verspielen. (…) Im August war das, ja. Wir kriegten immer Geld in Tüten. Und das war jetzt der erste Monat, wo ich meine Miete selber zahlen sollte, der erste Gesellenlohn. Und in Schöneberg ist auch so’ne blöde Spielhalle, so ‘ne ganz kleine. Da bin ich rein und wollte eigentlich nur 10 Mark verspielen, weil ich es mir im Grunde überhaupt nicht leisten konnte. Es wurden 200, 300, 400 und da wurde mir schon ‘n bisschen kribbelig. Ich hatte nur eins drei [1300 DM] und jetzt waren es noch 800 Mark. Kam ich schon ins Überlegen, hab’ aber noch weiter  spielt und hatte plötzlich nur noch 300 Mark. Ich bin dann nach Kiel reingefahren, sofort, und hab’ in Kiel noch 200 Mark verspielt. Dann hab’ ich noch 100 Mark im Roulette [24er] verspielt, das sah ich als letzte Möglichkeit, das war der Rest an dem Tag. Ja, und abends bin ich nach Hause getrampt. Erst mal ’n Anschiss von der Lütten gekriegt. (…) Geld für Miete und Essen, ja is’ weg, alles weg, alles verdaddelt. Ja, muss ich wohl morgen losziehen und [Zigaretten-]Stangen klauen. Ja, und am nächsten Tag bin ich losgezogen, nach der Arbeit, und bin natürlich prompt erwischt worden.« 
 
 
Herr B., 34 Jahre

»(…) Wie so’n Blackout war das wieder. Das, was man eigentlich vor hatte und machen wollte und wann man aufhören wollte, das ging nicht. Da fehlten einem nur noch 100 Mark an dem, was man haben wollte, und anstatt 2000 Mark Gewinn mitzunehmen, nur 1900 Mark mitzunehmen den Abend, das müsste ja auch reichen. Aber nee (…), den 100er holste dir auch noch! Nee, weitergespielt bis alles weg war…«
 
 
Herr E., 30 Jahre

»Irgendwann kam mal der entscheidende Einbruch. Da hatte ich mal 2000 Mark in der Tasche, die wollte ich zurückzahlen an die KKB, und das war Geld, was ich in der Halle verdient hatte. Ich geh’ da [ins Spielcasino] auch rein und denk’, nehm’ mal ’n bisschen Geld mit, und die 2000 Mark hab’ ich komplett verloren. Irgendwo, als ich dann hinten war, hab’ ich versucht, weiter zu setzen, um mit mehr Satz meinen Verlust wieder reinzuholen. Und je länger das dauerte, desto nervöser wurde ich. Und dann hab’ ich noch ’n 100er aus der Tasche geholt, bin nochmal raus, zum Geldautomaten, hab’ mir nochmal 1000 Mark geholt, die hab’ ich auch noch verdonnert. Von da an wurde es echt extrem. Ich bin echt hinter dem Geld hergejagt, hab’ mehr und mehr gesetzt, bis ich dann irgendwo überhaupt nicht mehr ein und aus wusste. (…) Innerhalb von ein paar Tagen war ich auf 15000 Mark Miese bei der KKB. Zum Schluss war ich bald tagtäglich da drin. (…) Ich hab’ eigentlich nur noch dran gedacht, wie ich jetzt wieder an Geld kommen kann,  ass ich meine Schulden wieder in den Griff kriege.«




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